Waldorfkindergarten - Betzdorf - Kirchen

Verein zur Förderung und Pflege der Waldorfpädagogik e.V.

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Waldorfkindergarten
Betzdorf / Kirchen
Struthofweg 11

57518 Betzdorf

Telefon / Fax: 02741 - 4471
Fördern von Lernaktivitäten und Bildungsprozessen

Schöpferisches Lernen

Die menschliche Entwicklung ist ohne Phantasiekräfte nicht denkbar. Ideenreichtum, seelisch-geistige Beweglichkeit sowie schöpferische Lebensgestaltung und kreative Problemlösungen im Erwachsenenalter haben ihren Ursprung in der Kindheit. Es ist uns ein besonderes Anliegen, das in den Kindern vorhandene Potential bestmöglich anzuregen, damit sie im Erwachsenenalter darauf zurückgreifen können. Die künstlerischen Tätigkeiten im Wochenrhythmus bieten den Kindern freie Felder für ihre Phantasiekräfte. Die Puppenspiele, das Hören von Märchen und Geschichten haben ebenso einen festen Platz im Kindergartengeschehen. Das Gehörte und Erlebte setzen die Kinder in verschiedensten Variationen in ihren Spielen um. Die wenig ausgestalteten Spielsachen lassen viel Freiraum für die kindliche Phantasie, die dazu angelegt ist, das Fehlende zu ergänzen. Die harmonischen Formen und Farben in der Raumgestaltung schaffen eine ästhetische Umgebung, in der sich das Kind zu Hause fühlen kann. Der naturnahe Spielgarten und die Waldtage bieten Entdeckungsräume in Fülle. In unserem Kindergarten hat das Unfertige Vorrang. Die Kinder sind zu Baumeistern, Schaffern, Handwerkern aufgefordert, die den Dingen immer wieder eine neue Bestimmung geben.

Lernen des Miteinanders

Heute kommt es bereits im Kindergarten darauf an, Grundlagen für soziale Erfahrungsfelder zu schaffen. Es ist eine große Herausforderung für die Erzieherinnen, Erlebnisräume zu schaffen, in welchen die Kinder durch ihr Selbstbildungspotential Erfahrungen machen und ihr Selbstvertrauen stärken können. Mit der Zeit lernen sie, ihren Platz in der Gruppe zu finden und zu behaupten und dem Kindergartenfreund den für ihn nötigen Raum zu gewähren. In der altersgemischten Gruppe haben die Kinder dafür besonders vielfältige Möglichkeiten: Ältere können den Jüngeren beim Anziehen helfen. Sie sind angehalten, Rücksicht auf die Kleinen zu nehmen. Umgekehrt bieten sie den Kleineren Orientierungshilfen, die Jüngeren können sich einiges „abgucken“. In den geführten Tätigkeiten, wie das Zubereiten der gemeinsamen Mahlzeiten, das Backen von Brötchen von einigen Kindern für alle wird das Gemeinschaftliche geübt. Es werden gemeinsam Regeln und Vereinbarungen getroffen. Kleine Rituale und wiederholte Gewohnheiten tragen dazu bei, die Kinder zu sammeln und in die Gemeinschaft zu führen. Konfliktsituationen gehörten zum Alltag. Hier benötigen sie die Unterstützung oder Trost der Erzieherin. Die Übernahme von kleinen Aufgaben und Pflichten lehrt Verantwortung für das Ganze. Dabei erüben die Kinder aktiv sozialen Umgang miteinander und gegenseitigen Respekt voreinander. Im freien Spiel in Rollenspielen mit wechselnden Aufgaben haben die Kinder die Möglichkeit, Situationen nachzuspielen und besonders bei der Rollenverteilung soziales Verhalten einzuüben. Die Erzieherinnen sind bemüht, gute Gewohnheiten anzulegen und diese vorzuleben:
- bei der Begrüßung
- bei der Zubereitung vom Essen
- beim Tischdecken
- beim gemeinsamen Frühstück
- beim Aufräumen
- beim Toilettengang, Händewaschen und Zähneputzen
- beim Reigen
- bei Märchen und Puppenspiel
- beim Ankleiden für den Garten
- bei der Verabschiedung

Das freie Spiel ist das Übungsfeld für soziale Verhaltensweisen des Kindes:
- Freiräume, in denen sich das Selbstbild des Kindes entfalten kann
- Lernen am menschlichen Gegenüber
- die Kleinen lernen von den Großen
- Rollenspiele
- Bewältigung von Konflikten; originelle Lösungsfindung
- Begegnung der Unter-Dreijährigen mit besonderer Achtsamkeit
- Achtvoller Umgang der Erwachsenen untereinander

Sprache und Bildung

Die Sprache bedarf der frühen, aktiven und sorgfältigen Pflege. Das menschliche Beziehungsverhältnis zwischen Sprechenden und Hörenden ist von wichtiger Bedeutung. Die Kinder brauchen den guten sprachlichen Ausdruck des Erwachsenen als Vorbild, um in die Sprache hinein zu wachsen. Aus dem Grund sind die Erwachsenen angehalten, im Umgang mit Kindern folgende Kriterien zu beachten: Die Sprache sollte dem Alter des Kindes angepasst sein, möglichst bildhaft, nicht zu abstrakt, klar und deutlich. Auf sprachliche Äußerungen der Kinder folgt eine Reaktion, keine Korrektur. Wenn nötig wird eine Richtigstellung, eine korrekte Wiederholung in die Antwort eingebaut. Der Erwachsene ist stets zur Antwort bzw. zum Gespräch bereit. Gerade für die kleineren Kinder ist es wichtig, ds der Erwachsene seine Handlungen mit Sprache begleitend kommentiert. Besonders wichtig ist das während des Wickelns und Anziehens. Die vielen Sprüche, Verse, Lieder, Bilderbuchbetrachtungen, Puppenspiele sowie Geschichten und Märchen, die die Kinder durch ihre Kindergartenzeit begleiten, tragen ganz wesentlich zum Spracherwerb und zur Erweiterung des Wortschatzes bei.

Naturgeschehen und Sinnesschulung

Unser pädagogisches Konzept schließt die Umwelt und die Natur in allen Bereichen ein. Die Jahreszeiten mit den Festeszeiten leiten uns bis in die Raumgestaltung. Der sogenannte „Jahreszeitentisch“ wird von den Erzieherinnen mit den Gaben der Natur in der jeweiligen Jahreszeit geschmückt. Was in der Natur in der jeweiligen Jahrszeit geschieht, bestimmt so auch die Atmosphäre im Innenraum. Die Aufmerksamkeit der Kinder wird noch intensiver auf das Naturgeschehen gelenkt. Sie sammeln Steine, Blätter, Federn usw. Sie bringen aus dem Urlaub Muscheln mit. Zur Erntezeit bringen sie Früchte und Samen oder pflücken Blumen und bereichern mit ihren Gaben den Tisch. Wir sähen und ernten in unserem Hochbeet. Wir malen das Korn und backen daraus Brot, Brötchen oder auch Kuchen. Wir verarbeiten geerntetes Obst und Gemüse. Die Zutaten für das essen werden weitgehend von den Früchten der Jahreszeit bestimmt. Im Reigen spiegelt sich das Naturgeschehen ebenfalls wieder. Auch an der Vegetation auf unserem Außengelände und in unserem kleinen Garten erleben die Kinder hautnah die Veränderungen der Natur im Jahresverlauf. In der Zukunft planen wir, hin und wieder Waldtage einzurichten, an denen sich die Kinder noch intensiver auf ihre Entdeckungen einlassen und damit ihren Erfahrungshorizont erweitern können.

Medien und Bildung

Wir legen großen Wert darauf, dass die Kinder in der Kindheit elementare und möglichst unverfälschte Sinneswahrnehmungen machen dürfen. Die pädagogischen Bemühungen sind so ausgerichtet, dass die Kinder an sinnvollen Prozessen teilhaben können, in denen sie die einzelnen Schritte verfolgen können und so allmählich die Zusammenhänge begreifen lernen. Aus dem Grund backen wir beispielsweise das Brot vom Mahlen des Korns bis zum fertigen Brötchen mit den Kindern zusammen. Durch eine solche Vorgehensweise wollen wir die Kinder hinführen, dass sie erst die reale Welt mit ihren Sinnen erkunden und mit ihren Händen ergreifen. Das befähigt sie im Schulalter, sich auf vorgestellte Welten einzulassen, wenn das eigene Denkvermögen frei geworden ist und von ihnen als Instrument angewendet werden kann. Dies betrachten wir als eine wichtige Grundlage für eine Medienkompetenz auf reifer Basis im späteren Alter.

Das Erforschen der Gesetzmäßigkeiten – die Zahlenwelt

Bereits der Kindergartenalltag bietet unzählige Möglichkeiten, Erfahrungen im naturwissenschaftlichen Bereich zu machen. Sie werden zwar nicht als „Wissenschaft“ erlebt, obwohl sie im entdeckenden und forschenden Sinne für das Kind das gleiche bedeuten. Die verschiedenen natürlichen Materialien wie Holz, Steine, Muscheln, Wolle können in ihren Qualitäten und Quantitäten den Kindern unterschiedliche Wahrnehmungen liefern. Ein Holzklotz ist leichter als ein Stein gleicher Größe. Auseinandergezupfte Wolle kann in der Luft schweben, während ein gefilzter fester Wollball sich anders verhält. Dass Mengen eine Bedeutung haben, erfahren die Kinder beim Abmessen der Zutaten für das Backen, beim Abzählen der Messer, Teller und Becher beim Tischdecken, beim Zerteilen eines Apfels, beim Stricken mit 20 Maschen usw. Das Ausbalancieren von Brettern beim Bauen einer Bude verlangt ein Gespür für Gewicht. Das Einsortieren von Zurücklegender Spielsachen auf ihren Platz fördert den Blick auf Mengen und Materialien. Die Kinder entwickeln auf diese Art und Weise rein aus der Haltung heraus ein Verständnis für gewisse Gesetzmäßigkeiten, und zwar sehr lebenspraktisch. Draußen sind die Elemente der Natur unmittelbar erlebbar. Alles lädt dazu ein, ausprobiert zu werden. Dieses experimentelle Spielen vermittelt ihnen wichtige Primärerfahrungen. Auch hier stützt sich unser Bildungskonzept auf das Lernen teils aus der Nachahmung und teils aus dem Erkennen der Zusammenhänge, die das Kind Schritt für Schritt selbst erkundet und begreift. So erweist sich das kindliche Spiel als Vorbereitung für ein bewusstes Verständnis für Qualitäten und Quantitäten, wenn sie im Schulalter Gegenstand des Lernens werden.

Musikalische Bildung

Wenn die Erzieherinnen insbesondere in dem rhythmischen Teil des Vormittags tätig sind, werden viele Tätigkeiten mit Singen begleitet. Bekannte Lieder aus dem Volksgut, sowie pentatonische Melodien begleiten das Kind durch den Tag. Gesang ist auch Bestandteil des Reigens und der kleinen Rituale, wenn z.B. der Zug zum Waschraum loszieht. Klanghölzer, Glockenspiele und Choroi-Flöten sind Instrumente, die zum Einsatz kommen.

Bewegung – Beweglichkeit

Wie oben ausführlich beschrieben, bietet unser Außengelände den Kindern eine große Vielfalt an Bewegungsmöglichkeiten. Da Bewegung und Sprache mit dem Erwerb kognitiver Fähigkeiten und körperlicher Geschicklichkeit in Verbindung stehen, widmen wir diesen Tätigkeiten viel Raum. Es sind insbesondere die kleinen Bewegungen, die im Reigen, in den Fingerspielen, beim Fingerhäkeln und bei größeren Kindern Nähen oder Stricken ausgeübt werden und zur Entwicklung der Geschicklichkeit nicht nur als Fingerfertigkeit, sondern auch zum Erwachen und Fördern der Auffassungsgabe führen.

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